Dienstag, 25. April 2017

Schwachschicht aufgrund des Gefahrenmusters kalt auf warm auch im Südsektor zumindest oberhalb etwa 3200m

Zusätzlich zum letzten Blogeintrag möchten wir Wintersportler darüber informieren, dass die von uns beobachtete Schwachschicht nicht nur im Nordsektor, sondern auch in besonnten Hängen im hochalpinen Gelände beobachtet wurde (Lawinenauslösungen oberhalb 3200m im Bereich der Bliggspitze sowie des Glockturms in der Region der Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen).

Wer sich nicht sicher ist, sollte sehr steile Hänge im Nordsektor zwischen etwa 2400m und 2900m sowie besonntes Gelände oberhalb etwa 3200m meiden. Im Zweifel und mit entsprechender Erfahrung hilft immer ein rascher Blick in die Schneedecke.

Lawinenauslösung unterhalb des Glockturms im besonnten Gelände (Foto: 24.04.2017)


Montag, 24. April 2017

Gefahrenmuster kalt auf warm führt zu Problemen im Nordsektor in einem Höhenbereich zwischen etwa 2500m und 2900m – einige Lawinenunfälle, einer davon tödlich

Das Gefahrenmuster kalt auf warm (gm.4) führt nach Schneefällen an der Grenzfläche zu unterschiedlich temperierten Schneeflächen zu einer verzögerten Bildung einer Schwachschicht.

Bis zum 15.04. war es frühlingshaft warm und die Schneeoberfläche häufig feucht bzw. nass. Danach folgte Schneefall samt einem Temperatursturz. Das heißt die Voraussetzungen für gm.4 waren gegeben. Bis Donnerstag, den 21.04. konnten wir allerdings nur eine geringe Entwicklung dieser Schwachschicht feststellen. Die Verbindung zwischen dem Neuschnee und der vormals feuchten Schneedecke war bei unseren Schneedeckenuntersuchungen gut.

Lawinenereignisse während des Wochenendes, Meldungen über Setzungsgeräusche (21.04. schattseitig zwischen etwa 2600m und 2800m in den Südlichen Stubaier und auch Ötztaler Alpen) sowie weitere Schneedeckenuntersuchungen zeigen nun, dass sich in einem eng begrenzten Höhen- und Expositionsbereich die Schwachschicht weiter entwickelt hat und inzwischen ein Problem darstellt. Es handelt sich unserem derzeitigen Wissenstand um den Nordsektor zwischen etwa 2500m und 2900m. Im Bereich von bis zu zwei dünnen Schmelzkrusten befinden sich dort mitunter recht ausgeprägte Schichten aus kantigen Kristallen. Stabilitätstests zeigen, dass diese Schichten leicht zu stören sind und Brüche sich dort gut ausbreiten können.

Tödlicher Lawinenunfall mit drei Beteiligten unterhalb des Kegelkopfs in der Samnaungruppe vom 22.04.2017. Die Lawine wurde in der Abfahrt ausgelöst. Anrissbereich 2700m NO.

Anrissbereich der Lawine Kegelkopf (Foto: 23.04.2017)

Schneeprofil im Anrissbereich der Lawine Kegelkopf. Unterhalb des seit 15.04. gefallenen Neuschnees diente eine kantige Schicht als Schwachschicht für das Schneebrett. Schneeprofile im Detail wie gewohnt unter folgendem Link.

Lawinenabgang Oberstkogel. 2600m NO

Lawinenabgang Schindlerrinne im Arlberggebiet. Ungewiss, ob da noch übewehter Pulverschnee die Schwachschicht darstellte oder bereits doch auch kantige Kristalle. Lawinenauslösung am 20.04. mit gutem Ausgang. Person konnte sich in der Sturzbahn an der Gleitfläche festkrallen. 2540m, Nord

Hier noch ein Überblick über weitere, uns bekannt gewordene Lawinenereignisse während der vergangenen Tage:

20.04. Stubaier Gletscher, 2580m, ONO
21.04. Rietzer Grieskogel, 2680, N – Kalkkögel, 2350m (ausgebessert am 25.04.: Erstinfo war 2450m) N – Schnapfenspitze, 2880m, N – Hochkar, NW, 2530m;
22.04 Gaiskogel, Hinterhirscheben 2700m, NO
22.04 Mittagskogel, 2900m, N – Nasse Wand, 2860m, NW

Mal etwas Anderes als Lawinen: Geforene Seifenblase, fotografiert in Boden am 21.04.2017

Donnerstag, 20. April 2017

In großen Höhen noch guter Pulverschnee – Vorsicht vor kammnahem Triebschnee – zunehmend wieder Frühjahrsverhältnisse

Die Prognosen der ZAMG-Wetterdienststelle haben perfekt gepasst. In weiten Teilen Nordtirols sowie im nördlichen Osttirol ist einiges an Schnee zusammengekommen.


Spitzenreiter waren die Arlbergregion, das Außerfern sowie die Nordalpen.

Station Ulmerhütte im Arlberggebiet zählte zu einer der schneereichsten Stationen. Man erkennt zudem die winterlichen Temperaturen sowie den Windeinfluss während des Schneefalls mit abnehmender Tendenz

Trotz der zum Teil tiefwinterlichen Temperaturen merkt man das Frühjahr. Durch die Strahlung konnte sich der kürzlich gebildete Triebschnee meist bereits recht gut verbinden. Vorsicht ist noch in größeren Höhen im kammnahen, sehr steilen Gelände geboten. Der für morgen, den 21.04. prognostizierten Temperaturanstieg kann kurzfristig zu einer erhöhten Auslösewahrscheinlichkeit von Triebschneepaketen führen, dies vermutlich nur über 3000m.

Ansonsten findet man in großen Höhen noch tollen Pulverschnee.

Unterwegs im Skitourengebiet der Franz-Senn-Hütte. Traumhafter Pulverschnee. (Foto: 20.04.2017)

Kammnaher Triebschnee (Foto: 20.04.2017)

Wohl vermehrt ein Thema während der kommenden Tage. Feuchte bzw. nasse Lockerschneelawinen

In den schneereichen Gebieten kurzfristig ein Thema auf vormals bereits aperen Wiesenhängen: Gleitschneerutsche bzw. kleine Gleitschneelawinen (Foto: 20.04.2017)

Einer der derzeit schneeärmsten Regionen in Tirol ist das südliche Osttirol (Foto: 20.04.2017)

Sonntag, 16. April 2017

Auf den Bergen wird es während der kommenden Tage tiefwinterlich – Anstieg der Lawinengefahr beachten!

Aus ist es vorerst mit den günstigen Lawinenverhältnissen. Es wird winterlich! Bis inklusive Donnerstag, dem 20.04. wird in Nordtirol und den Osttiroler Tauern bei starkem Wind und kalten Temperaturen (auf 3000m bis -20 Grad!) einiges an Schnee zusammenkommen. Die aufsummierten Neuschneemengen können dabei im Norden, den Zillertaler Alpen und den Osttiroler Tauern zwischen 80-120cm, verbreitet zwischen 50-80cm, in den südlichen Ötztaler Alpen eher weniger, im übrigen Osttirol 10-20cm betragen.
 
Klar, dass sich das auf die Lawinengefahr auswirken muss, die nun von Tag zu Tag etwas ansteigen wird.
 
Die Hauptgefahr geht dabei von frischem Triebschnee aus. Betrachtet man die Beschaffenheit der Altschneeoberfläche, so wird als Schwachschicht für Schneebrettlawinen v.a. lockerer Neuschnee in Frage kommen, der sich im Laufe der kommenden Tage ablagern wird und von Triebschnee überlagert wird. Auch frische Graupeleinlagerungen innerhalb des Neuschneepakets sind vorstellbar.
 
Ein Durchbrechen in bodennahe Schwachschichten ist aufgrund der zu erwartenden großen Zusatzbelastung prinzipiell möglich, jedoch wohl eher selten. Am ehesten könnte davon schattiges, sehr steiles Gelände in den Zillertaler Alpen oberhalb etwa 2500m betroffen sein.
 
Zu bedenken ist immer, dass trotz des Temperatursturzes während kurzfristiger Niederschlagspausen wegen der (diffusen) Strahlung der Neuschnee rasch geschwächt werden kann. Dort, wo Wind im Spiel war, erhöht dies die Auslösewahrscheinlichkeit von Schneebrettlawinen. Ansonsten sind zahlreiche Lockerschneelawinen  (auch etwas größerer Dimension) zu erwarten.
 
Niederschlag während der vergangenen 24 Stunden: Stand: 16.04.2017: 07:00 Uhr. Spitzenreiter bisher die Station Vilsalpsee im Außerfern. Quelle: Hydro Online
 
Beginnender Niederschlag am Galzig im Arlberggebiet. Die Temperatur beginnt zu sinken, der Wind weht stark.
 
Die Altschneeoberfläche kommt derzeit wohl eher nicht als Schwachschicht für Schneebrettlawinen in Frage. (Foto: 14.04.2017). Entweder ist diese hart, brüchig (mit ausreichend verbundenen Graupeleinlagerungen) oder…
 
…pulvrig, jedoch nicht locker genug, damit sich Brüche über größere Flächen fortpflanzen könnten. Karwendel (Foto: 14.04.2017)
 
Schneeprofil von den Tuxer Alpen (2705m, NW). Brüche in oberflächennahen Schichten pflanzten sich nicht mehr fort. Ein Bruch in der bodennahen Schwachschicht konnte erst durch große Belastung provoziert werden, pflanzte sich in Folge jedoch fort.
 

Dienstag, 11. April 2017

Eindrücke der vergangenen Tage

Zwischen dem 7.04. und 9.04. herrschten günstige Bedingungen bei einem, der Jahreszeit entsprechenden, tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr.

„Schmierpulver“ in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.04.2017)

Auffallend bleibt v.a. die für die Jahreszeit in ganz Tirol unterdurchschnittliche Schneehöhe auf den Bergen. Im Verhältnis am meisten Schnee liegt in Bereichen der Osttiroler Tauern sowie der Silvretta.

Zu Fuß erreichbar: Der Brechten in den Nördlichen Stubaier Alpen. Trotz wenig Schnees Gefahr durch Wechten (sh. Hintergrund) (Foto: 08.04.2017)

Unterwegs in den Südlichen Ötztaler Alpen (Hauslabkogel) (Foto: 08.04.2017)

Blick vom Figerhorn in den Osttiroler Tauern Richtung Süden. (Foto: 08.04.2017)

Zurzeit gibt es wenige Meldungen über Lawinenereignisse, insbesondere über Brüche im Altschnee (Die letzte diesbezügliche Info ging am 31.03. ein: Unterhalb der Mutterbergerseespitze am Bockkogelferner löste sich ein großes Schneebrett auf einer bodennahen Schwachschicht).

Derzeit lassen sich diese bodennahen Schwachschichten dann am ehesten stören, wenn diese erstmalig durchnässt und dadurch störanfälliger werden. Dies trifft gerade am ehesten in West- und Osthängen um 2700m und in Schattenhängen zwischen etwa 2200m und 2400m zu.

Wichtig erscheint im Frühjahr der meist unmittelbare Anstieg der Lawinentätigkeit nach Neuschneefällen. Häufig mischt sich während dieser Jahreszeit Graupel ein, der mitunter als Schwachschicht für Schneebrettlawinen dienen kann. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Graupelschicht dicker ausfällt (was u.a. in steilen von Felsen begrenzten Rinnen vermehrt zu beobachten ist).

Graupel wurde kürzlich in weiten Teilen Tirols beobachtet, hier in den Nördlichen Stubaier Alpen (Foto: 08.04.2017)

Graupel entsteht vermehrt in Schauerzellen, wie hier am 10.04. im hinteren Ötztalt

Graupeleinlagerungen in oberflächennahen Schichten

Kammnahes Schneebrett nach Schneefall und Windeinfluss (aus Norden). Graupel könnte die Schwachschicht gebildet haben; 06./07.04.2017

Lawinenabgang mit Personenbeteiligung an der Vorderen Hintereisspitze. Auch hier könnte Graupel im Spiel gewesen sein. (Foto: 08.04.2017)